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„unter Schleswig-Holstein“ im Verein „unter hamburg e.V.“
eine Projektgruppe stellt sich vor
Die Projektgruppe „unter Schleswig-Holstein“ wurde im September 2007 gegründet. Sie wurde aus dem Bedürfnis und dem Verlangen heraus „ins Leben“ gerufen, um auch hier in Schleswig-Holstein die Militär- und Zivilschutzgeschichte kritisch zu erforschen, aufzuarbeiten und zu dokumentieren.
Der zeitliche Schwerpunkt liegt dabei im Zeitraum von 1933 bis 1997.
Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeiten sollen im Zuge der politischen Bildung über Veranstaltungen und Publikationen in die Öffentlichkeit getragen und dort diskutiert werden.
Um keinen falschen politischen Bezugsrahmen herzustellen, sind NS-Propagandabegriffe z.B. im Vortrag zu vermeiden, bzw. in Veröffentlichungen deutlich kenntlich zu machen.
Die Zusammenarbeit mit Institutionen wie Bildungseinrichtungen oder Behörden und Privatpersonen, hier vor allem mit den Eigentümern der Bauwerke, steht dabei im Mittelpunkt der Arbeit der Projektgruppe.
Das Verhalten in der Öffentlichkeit bzw. gegenüber Behörden und anderen Institutionen ist geprägt von Freundlichkeit, Transparenz sowie Koordination und Absprache, um eine Konkurrenzsituation von vornherein auszuschließen.
Die Erforschung und Dokumentation soll in einer Erfassung der Bauwerke und einer Einordnung anhand von erarbeiteten Bewertungskriterien erfolgen. Wir distanzieren uns ausdrücklich von illegalen Tätigkeiten jeglicher Art wie dem unbefugten Betreten oder dem Öffnen von Grundstücken und Bauwerken!
Zentraler Kriterienkatalog der Projektgruppe „unter Schleswig-Holstein“:
1. Alle Bauwerke tragen Bedeutungen. Unabhängig von ihrer Größe, Verwendung und/ oder ihres Standortes.
2. Nicht das Bauwerk an sich ist wichtig, sondern dessen politisch-historische Bedeutung. Diese ergibt sich aus der Einordnung des Gebäudes in seinen historischen Kontext.
Historischer Kontext bedeutet dabei:
- die konkreten Arbeitsbedingungen, unter denen das Bauwerk entstanden ist sowie die spätere und heutige Nutzung,
- die politisch-sozialen Verhältnisse, die zum Zeitpunkt der Entstehung des Bauwerkes herrschten,
- die politischen, wirtschaftlichen, militärischen, propagandistischen oder sozialen Ziele, die von dem Erbauer und späteren Nutzern verfolgt wurden,
- die politische Interpretation des Bauwerks in unterschiedlichen Zeiten.
Daher verbietet sich ein bloßes „Sammeln“ von Bauwerken aufgrund der technischen Faszination, da die meisten der baulichen Hinterlassenschaften des NS-Regimes sind und somit stellvertretend für dessen Verbrechen und Gewalttaten stehen. Verstärkt wird dies durch die Tatsache, dass viele dieser Bauwerke nach Kriegsbeginn von ausländischen Zwangsarbeitern errichtet wurden, die ihrerseits in vielen Fällen keinen Zutritt zu den Bauwerken erhielten.
3. Die politisch-historische Bedeutung eines Bauwerkes soll im Rahmen der politischen Bildung deutlich gemacht werden. Zielstellung ist die Vermittlung von „Geschichte“ an einem authentischen Ort mittels Einordnung in den historischen Kontext.
Methodisch bedeutet dies:
Das Bauwerk ist als authentischer, historischer Ort das Medium der politischen Bildungsarbeit, das durch seine spezifischen Eigenschaften wirkt. Von den vorhandenen, konkreten Spuren der Vergangenheit ausgehend, kann dort Geschichte vermittelt werden. Die Bedeutung von Orten ist temporär und erfährt daher oft neue Nutzungen.
Eine Musealisierung eines Bauwerks ist hingegen eine Veränderung der Bedeutung, da die Authentizität des Ortes durch eine künstlich geschaffene Atmosphäre ersetzt wird.
Daher ergibt sich die Forderung nach dem Erhalt der konkret vorhandenen Spuren der Geschichte, die unterhalb der Schwelle der Denkmaleigenschaft liegen.
Struktur der Projektgruppe „unter Schleswig-Holstein“
Die Projektgruppe „unter Schleswig-Holstein“ ist eine eigen- und selbstständige Projektgruppe in dem gemeinnützigen Verein „unter hamburg“, der im Februar 2006 gegründet wurde.
Ferner ist der Verein „unter hamburg“ als eigenständige Gruppe im Dachverband „unter deutschland“ integriert. Bei letzterem handelt es sich um eine eigenständige Initiative mit gemeinsamen Grundlagen. Ziel ist eine bundesweite Vernetzung gleichartiger Vereine und Institutionen über eine Plattform verschiedener, bereits bestehender Organisationen.
Eine Integration in einem Dachverband bietet zahlreiche Vorteile: Die Verbindung zu anderen Städten ermöglicht einerseits einen besseren öffentlichen Bezug und andererseits einen Vergleich zwischen den einzelnen Orten. Einzelne Bauwerke können so auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, um somit auch ein nachvollziehbares, legitimes öffentliches Interesse gegenüber Behörden oder der Presse aufzuzeigen.
Der regionale Bezug ist durch die Autonomie des örtlichen Vereins bzw. der Institution gewährleistet.
Inhaltlich soll durch die Vereine und Institutionen eine jeweils regionale Konzentration stattfinden. Der Versuch, mit einem einzigen Verein bundesweit alle unterirdischen Bauwerke aufzuarbeiten, ist illusorisch. Basis der Forschung ist die bestehende Rechtsordnung. D.h., es kommt zu keinen „wilden Ausgrabungen“ oder Versuchen, die behördliche Gebührenordnung auszuhebeln.
Des Weiteren muss die Gewichtung der Themen bestehen bleiben: Bunker sind ein wichtiger Teil aber stellen in Schleswig-Holstein nicht die Mehrzahl der Bauwerke des Militärs und des Zivilschutzes, sind aber nicht das einzige Thema der unterirdischen Geschichte Deutschlands.
Boostedt, im Februar 2008